Über das Vergolden

Der Weg von der Tönernen zur „Goldenen Auguste“ ist lange. So wurde sie eingekleidet.Damit man Blattgold auf eine Figur aufbringen kann, ist ein komplizierter Aufbau des Untergrunds notwendig. Dieser Aufbau besteht aus zehn bis 16 verschiedenen Schichten, je nach Dicke des Kreidegrunds.

Zuerst wird die Figur mit ein bis zwei Leimschichten überzogen werden. Diesen Leim stellt sich der Vergolder meist selbst her. In unterschiedlichsten Konzentrationen wird er später noch für die Kreidegründe benötigt. Nachdem die Leimschicht getrocknet ist, wird der erste Kreidegrund, der nur aus Steinkreide und Leim beseht, aufgetragen. Danach folgen drei  bis sechs Schichten Weißgrund, also  weißer Kreidegrund, den ich aus Bologneser Kreide, Champagnerkreide und Chinakreide herstelle. Bei der Verarbeitung dieser Schichten ist es notwendig auf die Temperatur der Leime zu achten, auf die Luftfeuchtigkeit und auf die Bindung. Alles in allem eine komplizierte Arbeit 🙂

Nachdem der Kreidegrund fertig ist, kommt die Aufgabe, die ich am wenigsten mag, das Schleifen. Um eine glatte Oberfläche zu erhalten, die schlussendlich wie Gold glänzt, muss die Oberfläche makellos sein, d.h. schleifen, schleifen, schleifen. Die Körnung des Schleifpapiers wird immer feiner, bis zum Schluss keine Schleifspuren und Kratzer mehr zu sehen sind.

Wenn der Kreidegrund richtig – dick genug, aber nicht zu dick, warm genug, aber nicht zu warm  – aufgetragen wurde, könnte er jetzt, wenn man ihn mit einem Achat verdichtet, schon glänzen, wie ein weißer Edelstein. Der Achat ist ein langer Holzstab auf dessen Spitze ein Achat in Form eines gebogenen kleinen Ls angebracht ist. Mit dieser Spitze wird das Gold auf die Kreidegründe poliert. Quasi einmassiert. Ganz vorsichtig.

Wir polieren jetzt aber noch nicht, sondern nun wird das Poliment aufgetragen, daher auch der Name Polmentvergoldung. Die Polimentschicht ist der eigentlich Blattgoldträger und zeichnet sich durch die gute Polierbarkeit aus, d.h. das Gold wird schön sanft in den weichen Grund einmassiert. Das Poliment wird aus Bolus (farbiger Kreide) und Leim bzw. Bolus und Eiweiß hergestellt. Ich benutze immer Leim, denn das Eiweiß kann ganz höllisch riechen, wenn es zu lange steht. Und das muss es, denn es sollte zwei Wochen „abliegen“ bevor es zu roten Poliment verarbeitet wird. Aber ich greife vor.

Zuerst wird das gelbe Poliment verarbeitungsfertig gemacht. Dafür wird der gelbe Bolus, den man getrocknet in Hütchenform bekommt, gerieben (Käsereibe), eine Nacht in Wasser aufgelöst und mit Hasenhautlein verdünnt. Diese Mixtur wird durch einen Nylonstrumpf gepresst, damit auch das kleinste Kümmelchen verschwindet. Dann wird das Poliment mit einem dicken Haarpinsel zügig auf die Figur aufgetragen, bis sie eine satte gelbe Farbe hat. Meist reichen drei Anstriche. Dieses Gelb verleiht dem Gold auch seinen besonderen Glanz. Nun wird nicht mehr geschliffen, sondern vorsichtig mit einem weichen Tuch poliert, aber nicht zu fest, damit der Untergrund nicht vor dem Goldauftrag zu sehr verdichtet wird. Der letzte Auftrag ist der rote Polimentgrund. Er überzieht nicht die gesamt Figur, sonder nur die Erhöhungen, oder die Partien, die besonders stark glänzen sollen. Nochmal leicht polieren, nun sollte die Figur schon seitenmatt glänzen. (Ich habe einige Werkstücke, die ich in diesem Stadium schon mit dem Achat poliert habe, was auch sehr reizvoll aussieht. Siehe Figur 2, unten)

Nun endlich kommt der Goldauftrag, es wird „angeschossen“, wie der Vergolder sagt. Zum Anschießen brauche ich eine Netze (Alkohol-Wasser-Gemisch), die wird mit einem Pinsel auf die Figur aufgetragen, mit einem anderen Pinsel, dem „Anschießer“ nehme ich das hauchdünne Blattgold vom Goldkissen (atme dabei nicht, sonst fliegt alles davon) und lege das Gold auf die Netze. Das Gold wird so stark von dieser Nezte angezogen, dass es fast hinüberspringt, was den Nachteil hat, dass das Gold bei Erhebungen schnell reisst. Nun sieht die Figur aus wie oben 3. v. r.

Das Gold muss zwei bis drei Stunden antrocknen, dann kann es mit dem Achat auspoliert werden. Mit möglichst gleichmäßigen Druck wird die gesamte Figur mit dem Achat bearbeitet, bis kein Stückchen Gold mehr weghängt. Die Schwierigkeit bei kleinen Skulpturen ist, dass man die Figur während der Arbeit angreifen muss, und der Hautschweiß mit den Kreidegründen und dem Gold reagiert. Eine perfekte Oberfläche ist so nicht zu erreichen, daher habe ich mich für die „antike Form“ entschieden. Mein Auguste sieht so aus, als wäre sie schon durch einige Hände gegangen und etwas älter – eine echte Antiquität eben. Als Restaurator hat man bei einer Ausbesserung  immer das Problem, dass das neue Gold zu sehr glänzt und zu „schön“ aussieht. Dem wird mit ein bisschen „streicheln“ abgeholfen. Der Hautschweiß färbt das Gold dünkler, macht es durchsichtiger und bald hat man die gleiche Oberfläche wie bei der ursprünglichen Vergoldung, die durch die Jahrhunderte  abgenutzt wurde.

Dieses ganze Prozedere (Figur aus Ton formen, Leime anrühren, Schichten aufbauen, schleifen, Polimente mischen, anschießen, polieren) dauert zirka 20 Stunden. Da sich der Aufwand, die ganzen Materialien anzurühren,  für eine Figur nicht rechnet, mache ich meist andere Vergoldungen nebenbei mit. Diesmal waren es 10 Ladies, die bald meine Bibliothek schmücken werden, und eine kleine Restauration.

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