Wie man für einen Krimi recherchiert

Was braucht ein guter Krimi? Natürlich – um unseren Hollywoodexport Arnold zu zitieren – action! Und da ich meine Verfolgungsszenen so anschaulich wie möglich zu beschreiben will, fahre ich mit meinem Mann zu einem „action-Wochenende“ bei Walter Röhrl, wo wir mit den neuesten Porschemodellen über Eis und Schnee schlittern dürfen.

Schon das Starten unseres ersten Testboliden ist eine lustige Sache, denn ich besitze ja noch ein Auto der Generation „Schlüssel ins Zündschloss stecken“. Hier aber funktioniert das alles remote und vollelektronisch.

Nach einer kurzen Panoramafahrt durch das schöne Obertauern geht es zu unseren Übungsplatz und die erste Anweisung ist: „Schaltet des EPS aus, dann werden wir mal driften üben.“

Erstens: Was ist ein EPS? Und zweitens: Jetzt gleich? Ein bisschen Angst ist schon dabei, wenn so ein Geschoss mit mindestens 500 PS (geschätzt und gefühlt) außer Kontrolle gerät. Ist der Auslauf lang genug?  Wie hoch war gleich nochmal der Selbstbehalt? So viel?! Oh nein, ich steige sofort aus!

Doch als der erste Drift gelingt, wird der Selbstbehalt plötzlich unwichtig. Dieses Gefühl, so einen Wagen unter Kontrolle zu haben, fast mit ihm Walzer zu tanzen, ist genial. Sensationell!!! Mein Mann auf dem Beifahrersitz verkrampft sich ein klein wenig – eh nur unmerklich – weil ich es immer schneller versuche und nur noch als Normale zur Fahrtrichtung unterwegs bin. Nach diesen ersten Versuchen kommt ein kleiner Test – vor dem gestrengen Auge des ehemaligen Rally Ass’ Walter Röhrl. Die ersten Teilnehmer erleben bei ihren gedrifteten Achtern peinliche Dreher, die das Auto aus der Spur werfen. Rückwärtsgang, wieder rauf, nochmal Gas. Ich bin meganervös. Mit einem Dreher, nochmal starten und beschleunigen müssen, ist meine Heldin nämlich tot! Deshalb muss sie es perfekt können. Nun bin ich dran. Konzentriere mich, werde eins mit dem Gaspedel, dem Lenkrad, dem Porsche. Und er gleitet wie eine Krabbe den Achter entlang, ohne ein einziges Mal auszureiten. Yeah, ich habe Thesi gerade das Leben gerettet!

Abends stehen alle Porschepiloten an der Bar und … ähm … reden. Ich aber bin mit meinen Gedanken weit weg. Wieso sollte meine Heldin überhaupt das EPS ausschalten? Klar, es macht mehr Spaß und ist spektakulärer – aber in einer Gefahrensituation? War dieser Kurs heute sinnlos? Nein, sicher nicht! Ich weiß jetzt, wie es ich anfühlt, 280 PS zu bändigen, wie man so ein Ding startet, und dass es einfach Weltklasse ist, damit zu fahren.  Ich könnte ja – nachdem es meine Geschichte ist – einen kleine Defekt in der Elektronik reinschreiben. Aber ob das Porsche gefallen wird? Vergrämen will ich es mir mit dem Konzern natürlich auch nicht, habe ich doch beschlossen, von den Tantiemen des Buchs einen ihrer Boliden zu erstehen. Hm, solche Rechercheausflüge können echt teuer werden!

————————————————

Wie aus der beschriebenen Wettersituation erkennbar ist, habe ich diese Geschichte schon vor längerer Zeit geschrieben. Und zurzeit stehe ich bei einem Porsche Cayman im Format 1:24. Würden Sie also bitte das Buch kaufen, damit ich aufstocken kann?

Advertisements

2 Gedanken zu „Wie man für einen Krimi recherchiert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s