Post von meinem Professor oder „Getret’ner Quark wird breit nicht stark“

Heute erhielt ich einen Brief meines ehemaligen Deutschprofessors. Er schrieb, er habe mein Buch gelesen und fände es (…) in einem so flüssigen parlando-Stil geschrieben, dass man dahinter eine versierte, schon sehr routinierte Autorin vermuten könnte. Dass dies Dein erstes Buch ist, kann man kaum glauben. (…)

Da wurden natürlich Erinnerungen wach. Ich höre es, als ob es gestern gewesen wäre und nicht über 30 Jahre zurückläge:

Meine Damen, getret’ner Quark wird breit nicht stark.“ Mit diesem wunderbaren Spruch aus dem West-östlichen Diwan bezeichnete er unsere Aufsätze galant als Topfen.

Spät kommt ihr, doch ihr kommt!“ Schiller wurde zitiert, wenn der Bus wieder mal Verspätung hatte 🙂 Bei ihm hörte es sich aber so an: „Späät kömmt ihr, doch ihr kömmt.“

Aber mein absoluter Favorit ist: „Ach, das Fräulein Schweighofer glaubt, verböhnt kommt von der Bohne.“ Was soll ich sagen? Ich bin ein Steirermädl und wir sprachen zu Hause eben ein sehr weiches Deutsch. Überhaupt hatte ich unglaubliche Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung. D oder T? B oder P? Ich setzte es nach dem Zufallsprinzip. Dazu gesellten sich kreative Experimente in der Groß- und Kleinschreibung, ein bisschen getret’ner Quark und so kam ich über ein „Befriedigend“ nie hinaus.

Dann übersiedelte ich wegen des Studiums nach Wien und als ich das erste Mal im Spuckeregen der der Ts und Ps im Burgtheater saß, hatte ich ein Erweckungserlebnis. Oh mein Gott!!! Rechtschreibung kann man hören! Diese Regeln sind keine sinnlosen Spielereien eines Herrn Duden. Nein! Man konnte sie sprechen! Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder! (Ist nicht von mir 🙂 ) Hart und weich, Doppelbuchstaben!

Von nun an bemühte ich mich, meine Sprache anzupassen und sofort verbesserte sich meine Rechtschreibung eklatant. Die oftmaligen Besuche in der Burg halfen mir später sehr bei der Formulierung von Dialogen – die ich bis heute am liebsten schreibe.

Übrigens, eine Eigenheit in meinen Dialogen habe ich auch von meinem Professor. Einmal erzählte er von einer befreundeten Gräfin, die sich, wahrscheinlich im Gegensatz zu uns Landpomeranzen, extrem gewählt ausdrückte: „Meine Damen – sie sprach im Imperfekt!

Also durfte mein Aristokrat Paul auch in der Mitvergangenheit parlieren, obwohl das in der direkten Rede verpönt ist. Steht doch in jedem Schreibratgeber: „So spricht kein Mensch.“ Nein, liebe Schreibratgeber, das stimmt nicht, so sprach mein Deutschlehrer.

Der letzte Satz seines Briefs war: „Du kannst auf Dein erstes literarisches Kind stolz sein.“

Lieber Herr Professor Koller, darf ich das bitte als mein erstes „Sehr gut“ bei Ihnen betrachten?

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2 Gedanken zu „Post von meinem Professor oder „Getret’ner Quark wird breit nicht stark“

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