Stechapfel – Die Hexenpflanze in unserem Garten

 

Mit einer Lieferung Humuserde wurde dieses Frühjahr eine neue Pflanze in unseren Garten eingeschleppt. Eingeschleppt deswegen, weil sie sich zu einer echten Plage entwickelte. Da die Blüten recht nett aussahen und ich sehr neugierig bin, ließ ich den Eindringling, der plötzlich überall zu spießen begann, gewähren. Was mir allerding sofort auffiel, war der schreckliche Geruch – Duftpflanze war es schon mal keine.

Als unser Beet so aussah,

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begann ich im Internet zu recherchieren und entdeckte, dass mir da eine der großen vier Hexenpflanzen aufgegangen war. Stechapfel gehörte neben Alraune, Tollkirsche und Bilsenkraut zu den unverzichtbaren Bestandteilen jener Flugsalben, die Hexen früherer Zeiten beim Anstarten des Besens halfen.

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Da der Stechapfel in allen Teilen hochgiftig ist und ich nicht die Absicht hatte zu fliegen, entfernte ich alle Keimlinge aus dem Beet. Nur die größte Pflanze wurde zu Forschungszwecken umgetopft und in einen entlegenen Winkel des Gartens verbannt.

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Auffallend ist, dass die Pflanze extrem stinkt, nur die Blüten beginnen nachts süßlich bis parfumartig zu riechen, um so die Falter anlocken. Der Mensch sollte dem Duft nicht zu nahe kommen, da allein dies schon zu Halluzinationen führen könnte. Meine Selbstversuche scheiterten, da ich wahrscheinlich immer zu früh ins Bett gegangen bin, ich konnte von diesem süßlichen Nachtduft samt Nebenwirkung nichts bemerken.

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Im Herbst entwickelten sich bei meinem Stechapfel unzählige stachelige Kapseln, die wiederrum jeweils 300 bis 500 schwarze Samen verbargen. Jetzt weiß ich, wieso mein gesamtes Beet mit kleinen Pflänzchen übersät war – eine Kapsel reicht locker für 100 Quadratmeter J Da ich nicht will, dass der nächste Humuskäufer meine Samen mitgeliefert bekommt, entsorgte ich vor Kurzem alle Teile der einjährigen Pflanze im Restmüll. (Nein, nicht ganz, eine Kapsel habe ich mir doch behalten.)

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Geschichte Der Stechapfel kommt aus Amerika und galt schon bei den Azteken als heilige Pflanze, die gerne zu Ritualzwecken genutzt wurde. Das giftige Nachtschattengewächs gelangte erst um 1600 nach Europa und wurde hier ab 1880 als Mittel gegen Asthma und Nervosität genutzt. Besonders interessant ist, dass bis weit ins 20. Jahrhundert Stechapfel-Asthmazigaretten (!) geraucht wurden. Aber wenn man bedenkt, dass auch Heroin gegen Husten oder Kokain als Einschlafpastille für Kinder verschrieben wurde, klingt das gar nicht so absurd.

Heute wird der Stechapfel medizinisch nicht mehr genutzt, weil die Nachteile letztlich größer waren als die Heilwirkung. Auch sollte man keine bewusstseinsveränderten Experimente mit dem Stechapfel versuchen, denn die Dosierung ist zu schwierig und neben gesteigerter Erregung, Sinnestäuschungen oder Übelkeit können auch Atemlähmung und Herzstillstand die Folge sein.

Für uns Kriminalschriftsteller ist interessant zu wissen, dass schon 15 Stechapfelsamen tödlich sein können. Mehr werde ich aber hier nicht verraten.

Übrigens in meinen Krimis wird nicht mit Gift gemordet, sondern viel Kunst gestohlen. Zu kaufen gibt es sie hier:

eBooks

Taschenbuch

 

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2 Gedanken zu „Stechapfel – Die Hexenpflanze in unserem Garten

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