Numa Pompilius – der Friedenskönig

Dieses Bild begleitet und beschäftigt mich, seit ich denken kann. Erst hing es im Wohnzimmer meiner Eltern, jetzt hängt es bei mir.

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Jahrelang habe ich gerätselt, welcher König da wohl gekrönt wird. Selbst mein Kunstgeschichtestudium half mir nicht weiter. Erst nach dem Tod meines Vaters, als ich das Bild von der Wand nahm und auf der Rückseite einen Zettel mit „Sustermans und Rubens“ entdeckte, begann ich mit den richtigen Recherchen. Daraus resultierte mein halbautobiografisches Buch „Die Kunstjägerin“, das ich mit viel Phantasie zu einem Dan Brown’schen Kunstkrimi umformte 🙂

Etwas später brachte ein Besuch bei „Was schätzen Sie“ aber neue Erkenntnisse, und jetzt weiß ich mit 100%iger Sicherheit, welcher König hier gekrönt wird.

Numa Pompilius, der römische Friedenskönig

Der legendäre zweite König Roms Numa Pompilius (ca. 750 – 672 v. Chr.)[1] ist heute vergessen und es gibt kaum noch Darstellungen von ihm. Sein Vorgänger Romulus hingegen, dem wir neben der Gründung Roms auch den Raub der Sabinerinnen zu verdanken haben, ist in bleibender Erinnerung. Gut, er hat die ewige Stadt gegründet, aber dann kamen Kriege, Kriege und nochmal Kriege.

Angeblich war Romulus im 38. Jahr seiner Herrschaft während eines Orkans von einer dunklen Wolke verhüllt worden und dann in den Himmel aufgefahren. Diese Aussage eines Augenzeugen ist aber eher der Versuch, die Patrizier vom Verdacht freizusprechen, den strengen und kriegslüsternen Romulus bei einem Opferfest beseitigt zu haben.

Nach dem Verschwinden des ersten Königs kam es zu einem Machtvakuum mit einigen Unruhen. Als Nachfolger wählte der Senat den belesenen und bescheidenen Numa Pompilius, der mit der Tochter des Sabinerkönigs Titus Tatius verheiratet gewesen war. Numa lebte nach dem Tod seiner Frau wie ein Eremit, widmete sich nur seinen Studien und wollte anfangs die ihm angetragene Königswürde nicht annehmen.

Bildschirmfoto 2015-01-29 um 10.30.22

Hier sieht man die römischen Senatoren, die Numa bitten, ihr König zu werden.Am rechten Bildrand stehen wissenschaftliche Geräte, um seine Weisheit zu symbolisieren. Über Numa schwebt die Allegorie des Friedens.

 

Numa verlangte ein Vogelorakel und erst nach dem positiven Ausgang, ließ er sich zum König krönen.

Sustermans_Kroenung

Die Tauben am oberen Bildrand sind das Zeichen für das Orakel, hinter Numa stehen  die Senatoren, die auch schon auf dem oberen Bild zu sehen sind.

 

Unter Numas Herrschaft prosperierte das Römische Imperium. Er sah seine Aufgabe darin, Frieden zu schaffen und das Verhältnis zwischen Römern, Sabinern und den Angehörigen anderer Stämme, die im Rom wohnten, zu verbessern und die Spannungen zwischen den Einwanderern zu beseitigen.

Numa schätzte und förderte den Ackerbau, da die Bewirtschaftung von Grund und Boden die Liebe zum Frieden verstärkte. Er schuf auch eine Art Gewerbeordnung, die verschiedenen Handwerken verschiedene Kulte zuwies und ihnen das Recht gab, sich zusammenzuschließen. Er reformierte den Kalender und teilte ihn in 12 statt in 10 Monate, wie Romulus es getan hatte.

Plutarch schreibt, dass unter Numa 43 Jahre lang Frieden herrschte. So konnte das Land bebaut, konnten die Kinder großgezogen und die Götter geehrt werden, Feste und Empfänge wurden veranstaltet und Besuche fremder Herrscher gingen ohne Furcht vonstatten.

Numa Pompilius, der römische Friedenskönig, wäre die richtige Identifikationsfigur für unsere Zeit, doch leider scheint der Geist von Romulus gerade wieder die Oberhand über das Weltgeschehen zu haben.

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[1] Laut der Beschreibung bei Plutarch in den „Bíoi parálleloi“ (Parallelbiographien)

 

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